Der Dankbarkeitsbrief
Dies ist ein Artikel aus der Serie Zum Glück – kugelsichere Übungen zur Steigerung des Wohlbefindens.
Es gibt Tage, an denen passiert etwas unerwartet Schönes, jemand ist großzügig oder hilfsbereit – ohne Grund oder alleine aus seiner Liebe am Leben oder der Freude, jemandem etwas Gutes zu tun. Das warme Gefühl, dass sich nach der Verwunderung bei uns (hoffentlich) einstellt, ist Dankbarkeit.
Dankbarkeit für ein Geschenk, eine Geste oder Wohltat ist dann am größten, wenn sie nicht verpflichtend ist, wenn niemand erwartet, dass man danke sagt und sich erkenntlich zeigt. Natürlich kann man auch dankbar sein für Dinge, die nicht direkt von anderen kommen.
Warum sollte man über solche Dinge oder Personen nachdenken?
Warum macht die einfache Übung, darüber nachzudenken, für was oder wen man dankbar ist, solch einen großen Unterschied im Leben?
- Weil man sich – ganz im Sinne der Positiven Psychologie – an die schönen Dinge im Leben erinnert.
- Weil es die Perspektive verändert und ärgerliche oder vermeintlich schlechte Dinge in gute verwandelt. Die Arbeit war heute blöd? Wie wäre es mit Dankbarkeit darüber, Arbeit zu haben? Es gibt wieder ein Problem zu Hause mit Ihrem Partner? Viele Menschen würden eine Menge dafür geben, überhaupt jemanden zu haben, der sich Zeit nimmt zum Streiten oder Meinungsaustausch.
- Weil man sich erinnert, was wirklich wichtig ist. Meistens sind die Dinge oder die Personen, für die man wirklich dankbar ist, auch die, die eine große Rolle im Leben spielen. Es ist schwer, sich über einen langsamen Alten vor sich auf dem Fußweg zu ärgern, wenn man dankbar dafür ist, gesund und jung zu sein.
- Weil man sich erinnert, was andere für einen getan haben. Das stärkt das Band zwischen sich und der Person und macht eine erneute Kontaktaufnahme oder eine eigene gute Tat sehr wahrscheinlich.
Warum sollte man Dankbarkeit zeigen?
Sich bei jemandem für etwas zu bedanken, macht oft nicht nur im Leben des anderen einen Unterschied. Es verändert auch das eigene Leben. Es zeigt echte Wertschätzung. Das auzusprechen und damit transparent zu machen, ist großartig. Das Schöne: es kostet kaum Zeit. Und jemand anderen glücklich zu machen, erhöht das eigene Glücksempfinden und dazu die Güte der Beziehung zu dieser anderen Person.
Wenn Sie Gefallen an dem Zeigen Ihrer Dankbarkeit gefunden haben oder es noch finden wollen, sei Ihnen diese Liste ans Herz gelegt: 30 Wege, Dankbarkeit zu zeigen.
Warum passiert es trotzdem viel zu selten?
Ich habe als Kind gelernt, immer bitte und danke zu sagen, wenn ich etwas geschenkt bekam. Es ging dabei nicht darum, echte Erkenntlichkeit zu zeigen, sondern war vielmehr eine Höflichkeitsform, die gute Erziehung zeigte und den Preis oder die Mühe eines Geschenkes wertschätzen sollte.
Echte Dankbarkeit für etwas zu empfinden, muss nicht durch die Eltern gelehrt werden. Sie zeigt sich durch ein strahlend offenes Lächeln, durch Sprachlosigkeit, Freudentränen. Und sie kommt von innen.
Anfangs kostet es Überwindung, auch im Nachhinein noch danke zu sagen für etwas, das in der Vergangenheit liegt. Meiner Meinung nach gibt es dabei kein “zu spät” und selbst im Nachhinein ausgesprochene Dankbarkeit kann gewichtiger sein als ein zeitnahes aber nur dahin gesprochenes Danke.
Und das führt mich zur heutigen Übung.
Der Dankbarkeitsbrief
Materialien: Stift und Papier.
Dauer: 15 Minuten.
Durchführung: Schließen Sie die Augen. Denken Sie an jemanden, der vor Jahren etwas getan hat, das Sie zum Besseren verändert hat. An jemanden, dem Sie dafür noch nicht richtig gedankt haben und den Sie in den nächsten Tagen oder Wochen persönlich treffen können.
Schreiben Sie nun einen Brief an diese Person. Konkret über die Sache, für die Sie dankbar sind. Machen Sie diese Brief nicht länger als 300 Wörter, aber seien Sie trotzdem spezifisch: Was hat derjenige für Sie getan? Was hat sich dadurch in Ihrem Leben verändert?
Schreiben Sie auf, wie oft Sie daran denken müssen und wie schön diese Geste, diese Gabe für Sie war und immer noch ist.
Sobald Sie den Brief fertig geschrieben haben, rufen oder mailen Sie diese Person an und sagen ihr, dass Sie sie gerne besuchen würden. Bleiben Sie hier sehr vage und lassen Sie sich Ihren Plan nicht entlocken. Es ist ein viel größerer Spaß, wenn es überraschend bleibt.
Wenn Sie die Person dann treffen, nehmen Sie sich Zeit zum Vorlesen des Briefes. Das ist das erste möglicherweise Mal seltsam. Ziehen Sie es dennoch durch, lassen Sie sich nicht unterbrechen und bitten Sie die Person um die drei Minuten Geduld.
Wenn Sie es nicht schaffen, diese Person zu treffen, weil sie zu weit entfernt oder länger nicht erreichbar ist, dann lesen Sie ihr diesen Brief am Telefon vor, schicken ihr eine Sprachnachricht, nur diesen Brief oder eine Email.
Egal welche dieser Varianten Sie wählen: Ich verspreche Ihnen schon jetzt, dass es zu Tränen, mindestens aber zu einem ganz anderen Start in das Wiedersehen oder Wiederhören führen wird.
Der nächste Artikel in der Reihe Zum Glück – kugelsichere Übungen zur Steigerung des Wohlbefindens widmet sich der Fähigkeit, sein Leben zu genießen.
ein kleines Dankbarkeitsgebet
Sei dankbar, dass du nicht alles hast was du dir wünschst. Was würde sonst noch bleiben, um vorwärts zu schauen?
Sei dankbar, dass du nicht alles weißt, weil du dadurch die Gelegenheit bekommst, zu lernen.
Sei dankbar für schwierige Zeiten. Während dieser Zeiten kannst du innerlich wachsen.
Sei dankbar für deine Grenzen, weil sie dir die Gelegenheit geben, Fortschritte zu machen.
Sei dankbar für jede neue Herausforderung, weil sie deine Stärke und deinen Charakter bilden.
Sei dankbar für deine Fehler, denn sie verschaffen dir wertvolle Lektionen.
Sei dankbar, wenn du müde und erschöpft bist, denn du bekommst dadurch die Gelegenheit, auf deinen Körper zu hören.
Es ist einfach, dankbar zu sein für die guten Seiten. Ein reich erfülltes Leben haben aber nur diejenigen, welche auch dankbar sind für Rückschläge und Fehler.
Dankbarkeit kann Negatives in Positives umwandeln. Finde deinen Weg, um dankbar zu sein für deine Probleme. Dann werden sie für dich zum Segen.
Autor unbekannt
Foto: Eflon
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